Kleiner Auszug aus dem Roman „Sitaya Neverland“ – in Arbeit seit Sommer 2017:

Kapitel 1

Ich wachte an diesem Morgen wie an jedem Tag in meinem gemütlichen warmen Bett auf in dem Fairlin, mein junger Braunbär, der allerdings Hörner hatte, aufgeragt auf mir herum sprang.
Wer ich bin?
Ich bin Sitaya Scorpia Neverland.
Für Freunde einfach: SID.

Ich lebte mit meinem Vater und einer Menge seltsamer Tiere in einem kleinen Häuschen abseits von einem Dorf irgendwo in Großbritannien.
was ich mit „seltsamen Tieren“ meine? Naja, Failin ist noch … der Normalste davon.

Da wäre ein paar Schevelocks, die ein bisschen aussehen wie geflügelte Riesenschlangen, fünf blaue Aparitschios, die einem Jaguar mit Schuppen ähneln, ein Basilisken-Paar, das gerade zwei Kinder bekommen hatte und unzählig vielen Nestaren, die Augen wie Adler hatten, die strahlend grün waren, aber ansonsten zum Verwechseln ähnlich waren. Da auch sie die nervige Angewohnheit besaßen, sich für nichts, das näher als der Mond war, zu interessieren.

Allerdings lebten sie nicht direkt bei uns im Haus, sondern ebenso wie die Basilisken in dem keinen Wald, der an unser Haus angrenzte.

Ich hatte noch eine Schwester, diese bekam ich allerdings höchstens einmal im Jahr zu Gesicht, da sie in Frankreich Berg-Trolle erforschte. Also lebten Vater und ich praktisch allein.
Nunja, eigentlich arbeitete Vater zum Großteil in seinem Labor, das in London in der Nähe einer High-School meiner Schule lag.

Verträumt saß ich auf dem Fensterbrett in meinem Zimmere, das genau wie unser ganzes Haus, total windschief war und betrachtete sehnsüchtig ein Portrait meiner Mutter, die bei einem Überfall von Räubern ums Leben gekommen war. Das war schon viele Jahre her und trotzdem machte Vater sich immer noch Vorwürfe, da er anwesend war, als es geschah, aber nichts tun konnte, um es zu verhindern. Seitdem hieß es, Vater habe den Verstand verloren, was ich allerdings nicht glaube. Wir beide vermissen Mutter, obwohl ich noch ein Baby war, als sie umgebracht wurde.

Mit einem Seufzer wandte ich mich dem Basilisken-Weibchen zu, das ein kleines Reh hinter sich her zog um es ihren Kleinen zu bringen. Für mich war das ein gewohnter Anblick und so wollte ich mich gerade erheben, um mir ein Glas Wasser zu holen, da klopfte es an der Tür und mein Vater, Hieronims Neverland, trat ein.
„Dein Frühstück ist im Ofen, ich muss jetzt los, komme dann um ungefähr halb Elf zurück, bleib aber nicht zu lange auf, du weißt, Morgen geht die Schule wieder los, also dann bis später.“, sagte er und umarmte mich.
Darauf antwortete ich enttäuscht: „Du meinst wohl die langweilige Menschenschule. Außerdem hast du gesagt, heute nimmst du dir frei.“
„Tut mir leid, aber wir haben ein 1298 – einen wilden Leoparden!“ rief er mir zu und verschwand.
Enttäuscht setzte ich mich wieder und starrte stur aus dem Fenster.

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Kapitel Fortsetzung

      „Wie bitte?“

Fragte ich. Natürlich war es seltsam gewesen, dass ich mit Tieren sprechen konnte, doch weshalb war ich darum ein Karnia, was war das überhaupt? Nach einiger Zeit antwortete Orian: ,,Ein Karnia ist ein Mensch oder ein Zauberer, der Tiere verstehen und auch mit ihnen kommunizieren kann. Auch diese Gabe ist sehr selten, doch der Zufall, dass eine Elementarhexe diese Gabe besitzt ist ungeheuer unwahrscheinlich. Noch ein Zeichen dafür, dass du etwas ganz Besonderes bist. Huch, ich schweife vom Thema ab, ich wollte dir berichten, irgendwo in den Highlands gibt es einen Stamm, der komplett aus dem Volk der Karnia besteht. Meine Mutter Lysithea hatte vor ihrem Tod dort gelebt.“ Bei den letzten Worten glitzerten leichte tränen in seinen Augen. Anscheinend vermisste er seine Mutter genauso sehr wie ich meine.

 

 Um diesen peinlichen Moment zu unterbrechen fragte ich: ,,Wie fühlst du dich?“ ,,Ganz gut, denke ich“, kam sofort die Antwort. Wieder verging einige Zeit, ohne dass jemand etwas sagte, bis ich irgendwann aufstand und zurück zur Hütte ging. Als ich die Tür zur Hütte öffnete, erkannte ich sie beinahe nicht wieder: alles war geschmückt und auf dem massiven Holztisch standen köstliche Speisen. Staunend betrat ich die Küche, wo ich eine gut gelaunte Insapur vorfand. Vor lauter Mühe, in allen Töpfen gleichzeitig zu rühren, bemerkte sie mich gar nicht. Mit einem Schmunzeln verließ ich die Küche wieder. Ich ging zurück in das Esszimmer, wo Narlson gelassen an der Tür lehnte. Er sah umwerfend aus: seine blonden Haare waren nach oben gegelt und er trug einen dunkelblauen Anzug. ,,Wow, Narlson, du siehst toll aus“, sagte ich anerkennend. Lachend antwortete er: ,,Erzähl mir was, was ich noch nicht weiß. Sieh mal meine Haare! Bienenwachs, wie sieht das aus?“ Ich hatte keine Zeit, seine Frage zu beantworten, da Orian zur Tür herein kam. Er lächelte, als er all das köstliche Essen sah. Narlson wollte zum Sprechen ansetzen, doch in diesem Moment hörte man ein klirren und einen spitzten Schrei aus der Küche. Wir alle drei eilten sofort dorthin, doch was wir sahen, war eine lauthals lachende Insapur, und auf dem Boden lag ein Haufen Scherben. Zwischen zwei Lachanfällen prustete sie: ,,Scherben bringen Glück, oder nicht?“ Ihr Lachen war so ansteckend, das nach drei Minuten alle einen Lachkrampf bekamen. Wir hörten erst damit auf, als alles möaufgeräumt war und wir von Insapur zu Tisch geschickt wurden, wo wir uns noch ein wenig unterhielten, bis sie mit einem Silbertablett in der Hand den Raum betrat. Sie stellte es auf den Tisch und verteilte fröhlich die Teller. Als sie damit fertig war, setzte sie sich zu uns und rief: ,,Lasst es euch schmecken!“ Und das taten wir auch. Ich lud mir den Teller voll mit den köstlichsten Speisen: von Schweinepastete über wunderbare Suppen bis hin zu Rinderbraten war alles dabei. Nach einem Teller war ich schon sehr satt, doch dann entdeckte ich die riesige Schüssel mit Salaten, und konnte einfach nicht wiederstehen. Auch der Nachtisch hatte es mir angetan: das Tiramisu war köstlich und auch der Pflaumenkuchen war der Himmel auf Erden. Das ganze Essen über erzählten wir uns Geschichten aus unserer Kindheit, und wieder wurde viel gelacht. Als wir beinahe geendet hatten, sagte Insapur: ,,Dieser Abend soll mit einem Hoch auf die mutige Sitaya enden, die sich ganz allein der Banshey stellte und sogar Orians Bruder, den Betrüger Jeran, enttarnte.“ Alle hoben ihre Gläser und lächelten mich glücklich an, nur Orian wirkte etwas traurig, was allerdings nicht überraschend war, immerhin hatte sich sein Bruder der Banshey angeschlossen.

 

Am nächsten Morgen erwachte ich auf der weichen Couch im Wohnzimmer. Ich richtete mich auf und ging in das eigentliche Schlafzimmer, wo Insapur noch in ihrem Bett schlief, Narlson neben ihr. Ich wollte die Beiden nicht wecken und ging aus dem Zimmer. Als ich wieder im Wohnzimmer ankam, saß Orian auf der Couch. Ich fragte: ,,Was machst du denn schon auf den Beinen?“ ,,Bin schon länger wach, das Fenster war undicht, und deshalb konnte ich nicht wirklich schlafen. Setz dich doch zu mir“, sagte er, seine Stimme klang rau. Ich setzte mich zu ihm auf die Couch und lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Nach einer Weile des Schweigens beugte er sich langsam vor, ich tat es ihm gleich. Als unsere Lippen sich fast berührten, rannte Insapur ins Zimmer, lauthals schimpfend stürmte sie durch die Tür ins Freie, bemerkte uns nicht einmal, kurz darauf tat Narlson es ihr gleich. Man hörte ihre aufgebrachten Stimmen noch einige Zeit später. Als Alles wieder still war atmete ich tief durch und fragte Orian: ,,Was im Namen des großen Feuerfalken war denn das?“ ,,Wie es aussieht eine winzig kleine Uneinigkeit unserer beiden Freunde. Ich glaube allerdings, nichts allzu Ernstes“, antwortete er. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich stand auf und ging in die Küche, wo ich mir fünf dünne Scheiben Brot in einen kleinen Korb packte. Ich nahm mir auch noch etwas Käse und Marmelade und bedeckte den Korb mit einem Tuch. Als ich das Wohnzimmer durchquerte, folgte Orian mir. Wir gingen durch den kleinen Garten, der das Haus umgab. Wir liefen zu einer kleinen Lichtung am Waldrand und setzten uns auf das feuchte Gras. Ich packte den kleinen Korb mit Brot, Marmelade und Käse aus und wir fingen schweigend an zu essen. Nach einer Weile fragte Orian: ,, Erzähle mir doch bitte, wie du gegen die Banshey gekämpft hast. Und vor allem, wie du es geschafft hast, mich vor dem Tod durch das Gift eines Basilisken zu bewahren. Und bitte lass keine Einzelheit aus.“ Und so erzählte ich ihm Alles, vom Kampf gegen die Banshey bis hin zu der kleinen Zeitreise, die ich gemacht hatte. Er hörte mit sehr interessiert zu, bis ich geendet hatte. Erfreut über meinen Sieg und doch erschüttert über die Tatsache, dass ich schon wieder angegriffen wurde, saß er nun da. Ich fragte ihn: ,,Kannst du mir erklären, was an jenem Abend geschah, als ich wie hypnotisiert auf den Mond zulief?“ Er brauchte eine Weile, um zu überlegen, doch dann antwortete er: ,,Mondsucht“, ich starrte ihn ungläubig an, doch er sprach in ruhigem Ton weiter, ,,ist wie eine Art Trance, Menscheneltern nennen es auch ,,Schlafwandel“. Viele Menschenkinder sind davon betroffen, da sie leicht vom Mond zu beeinflussen sind. Du besitzt einen Mondstein, er ist der Stein deiner ganz besonderen inneren Kraft. Mondsteine haben meist eine Neigung zur Mondsucht. Die Banshey kontrolliert die mächtige Kraft des Mondes, besonders die Magie des Vollmondes ist besonders stark. Am Abend, an dem wir einen Spaziergang machten, war Vollmond. Deshalb konntest du dich nicht beherrschen. Du musst lernen, es zu kontrollieren. Die Schwierigkeit daran wird sein, dass du niemals deine Halskette mit dem Mondstein ablegen darfst. Bisher hat es nur ein Magier jemals gewagt, sein Amulett abzulegen, und er hat es teuer bezahlt“

 

Kapitel 5     Die Legende

Mit einer Mischung aus Misstrauen und Angst sah ich ihn an. Er sah in meinem Blick, dass ich unbedingt mehr erfahren wollte, also sprach er weiter: ,,Der Name dessen, der es wagte, die Ehre, ein Amulett überreicht zu bekommen, missbrauchte war Loritius. Er war einst ein Schüler der obersten Hexe Xenia. Ein einfacher Mann, der seine Magie liebte und jedes magische Wesen verehrte. Eines Nachts stritt er sich mit Xenia, er wollte mehr sein als nur ein einfacher Zauberer. Er wollte einen Teil des Königreiches beherrschen, und als Xenia ihm dies nicht gab, riss er sich das Amulett vom Halse. Nach all den Jahren war er auch ohne Amulett ein überaus mächtiger Magier, und fing an, gegen seine einstige Mentorin, die Oberhexe, zu kämpfen. Darüber war Xenia so entsetzt, dass sie sich nicht wehren konnte, bis einer ihrer Wachen sie zur Besinnung brachte. Die herzensgute Xenia hatte keine andere Wahl, als Loritius für alle Zeit in eine verzauberte Truhe einzusperren. Es zerbrach ihr das Herz, doch sie durfte ihn nicht befreien.“  ,,Und was geschah dann?“, fragte ich. Leicht belustigt über mein Interesse sprach er weiter: ,,Seit diesem Tag an nannte man sie nur noch Fine tristitia, was, grob übersetzt, soviel wie ,,unendliche Traurigkeit. Sie hat einfach zu viel Angst, deshalb hat sie nie wieder einen Schüler unterrichtet. Loritius blieb für alle Zeit in der Truhe, doch einer Legende zufolge wird es ihm eines Tages gelingen, sich zu befreien. Seit deiner Geburt und deinem Wiederstand gegen die Banshey haben viele Magier und Hexen noch mehr Angst, die Legende könnte sich nun bewahrheiten, da deine Geschichte genauso eine Legende der früheren Zeit war. Andere halten das für reinen Aberglauben.“ Ich fragte ihn: ,,du sagtest, Xenia hätte nie mehr einen Schüler unterrichtet. Heißt das, Xenia ist noch am Leben?“ ,,Natürlich“, so sprach Orian, ,,Eine Hexe kann mit etwas Magie tausende von Jahren alt werden. Leider ist unbekannt, wo sich Xenia befindet. Doch eines Tages, so heißt es, wird sich eine junge Hexe, Xenia ebenbürtig, auf den weiten Weg machen, um sie zu finden, und ein guter Geist wird sie leiten. Manche denken, es sei nur eine Legende, und Xenia sei schon lange tot, doch diejenigen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, vermuten, dass du diese Xenia ebenbürtige bist.“ Ungläubig starrte ich ihn an. Nach einer Weile sagte ich zu ihm: ,,Also ich fasse mal zusammen: ich bin eine Elementarhexe, gleichzeitig ein Karnia und zufällig auch noch diejenige, die die deprimierte Oberhexe finden soll?“ Er lachte: ,,Nun, so könnte man es auch nennen.“ Ich lächelte, doch ich war auch etwas besorgt. Orian sah das und sah mich beruhigend an. Ich war also der mächtigen Xenia ebenbürtig. Urplötzlich hörte ich eine Stimme  in meinem Kopf. Sie sagte: ,,Westen! du musst nach Westen laufen!“ verwirrt rappelte ich mich auf und nahm den kleinen Korb wieder in die Hand. Ich lief zurück zur Hütte, doch auf etwa halber Strecke fing ich an zu taumeln, ich drehte sich um, ohne, dass ich es kontrollieren konnte. Ich zog einen kleinen Kompass aus meiner Hosentasche und sah darauf. Ich hatte mich exakt nach Westen gedreht. Dann lief ich los. Einfach so. Meine Beine schienen mich zu tragen, eilig. Ich lief einige Stunden nach Westen, bis ich völlig erschöpft war und mich auf einen abgeholzten Baumstumpf setzte. Mein Magen knurrte, und ich deckte  den kleinen Korb in meiner Hand auf. Glücklicherweise hatten Orian und ich noch drei Brote übrig gelassen. Hungrig aß ich eines davon, ich konnte ja nicht wissen, wie lange ich noch unterwegs sein würde, und ich sollte recht behalten: ich war noch drei Tage unterwegs, bis ich schlussendlich vor einer alten Burg stand. Ich überquerte die Zugbrücke und klopfte zaghaft an das große Burgtor. Es schwang wie von Geisterhand auf und ich kam in einen kleinen Burghof. Ich rief laut: ,,Xenia! Oberste Hexe Xenia! Zeig dich!“ Eine Zeit lang passierte nichts, doch dann ertönte eine laute, durchdringende Stimme: ,,Xenia? So hat mich niemand mehr seit einigen hunderten von Jahren genannt. Wer spricht zu mir?“ ,,Sitaya Neverland“, so sprach ich, ,,oder, wie mich manche nennen, die Auserwählte.“ Ich hörte leise Schritte, und nach einer Weile entdeckte ich ihren Ursprung: Eine schlanke, rothaarige Frau in einem bodenlangen grünem Kleid schritt elegant die Stufen einer steinernen Treppe, die in den Hof führte, hinunter. Sie sah mich prüfend an, doch dann trat sie selbstbewusst auf mich zu. Ohne ein Wort hakte sie sich bei mir unter und führte mich in ihre Gemächer. Dort angekommen setzten wir uns auf ein samtenes Sofa, und Xenia fragte: ,,Sag, Sitaya, wer bist du und woher kennst du meinen Namen? Wie kommst du hierher?“ ich antwortete: ,,Ich…komme von sehr weit her. Die Sage um diesen Loritius wurde mir von einem Freund erzählt. Es gibt ja diese Legende, dass der Auserwählte von einem guten Geist zu dir geführt wird, oder nicht? Vor etwa drei Tagen hörte ich eine Stimme, die mir den Weg wies.“ Xenia sah mich ungläubig an, sprach dann aber: ,,Nun, wenn dies wahr wäre…kannst du dieses Amulett sehen?“ ,,Ja, klar und deutlich“, sagte ich verwirrt. ,,Dann bist du ja wirklich das Mädchen, dass mich befreien könnte!“ Ich war verwirrt, aber auch ängstlich. Nach einiger Zeit sagte ich: ,,Tut mir wirklich leid, doch ich habe nicht den blassesten Schimmer, wovon ihr redet.“ ,,Loritius, mein einstiger Schüler, fing ja einst an, mich zu bekämpfen, eigentlich wehrte ich alle Flüche ab, doch einen Moment der Unachtsamkeit und er traf mich mit einem Fluch“, antwortete sie traurig. Neugierig fragte ich: ,,Welche Auswirkungen hatte der Fluch?“ Überrascht über meine Neugier sprach Xenia weiter: ,,Nun, die Wirkung ist ziemlich einfach zu verstehen: Ich bin belastet mit einer Krankheit, die zuerst mich und dann alle anderen auslöschen wird. Mein ganzes Leben ist eine einzige Katastrophe.“ Ich verstand und sagte mit leicht sarkastischem Unterton: ,,Das ist es bei mir sogar ohne Fluch. Ich bin die Tochter zweier Rebellen, noch dazu eine Elementarhexe und kann mit Tieren sprechen. Ach, dass hätte ich fast vergessen, ich werde von der Banshey verfolgt. Also erzähle mir bitte nichts von Problemen.“ Xenia lachte kurz auf, wurde dann doch wieder ernst und sprach: ,,Und nur du kannst mich von diesem Fluch erlösen. Ich weiß auch schon genau, wie: du musst mir einen Trank brauen, den Trank der roten Vakura. Wenn dies erledigt ist musst du nur einen Zauber aussprechen, und der Fluch löst sich.“

 

Kapitel 6     Die Suche beginnt

Nachdenklich sah ich sie an. Nach einer Zeit des Überlegens sagte ich: ,,In Ordnung, ich mache es. Was benötigt man denn für diesen Trank der roten Vakura?“ Xenia drückte mir ein Stück vergilbtes Pergament in die Hand, darauf stand in altertümlicher Schrift das Rezept für den Trank. Ich las es mir mehrmals durch, staunte über das wundervolle Pergament, welches sich dick und weich zugleich anfühlte. Nach einer Weile hörte ich Xenia sagen: ,,Wir sollten sofort damit anfangen, den Trank zu brauen. Die Banshey ist unterwegs und ich muss uns retten. Wenn ich dies nicht kann, seid ihr leichte Beute. Ich hätte da noch eine Frage an dich: wieso verfolgt die Banshey dich? Wer sind deine Eltern?“ ,,Jeromius und Harowaya Neverland“, so sprach ich. Xenia nickte etwas verdattert, wandte sich dann ab und sagte leise: ,,Mitnertias, sind die erste Zutat. Sie wachsen in außergewöhnlichen Höhen, darum sollten wir uns sofort aufmachen. Auf dem Weg finden wir vielleicht auch schon eine weitere Zutat: das Blut eines Nicartis. Das ist eine fast ausgestorbene Art der bulgarischen Horndrachen. Wir dürfen keinesfalls mit seinem Atem in Berührung kommen, sonst sind wir innerhalb weniger Stunden tot. Dann fehlen uns nur noch 48 weitere Zutaten.“ Ich murmelte: ,,Das kann ja heiter werden“, legte aber keinen weiteren Einspruch ein. Es war schon sehr spät und wir beschlossen daher, erst bei Tagesanbruch aufzubrechen. Am nächsten Morgen erwachte ich auf dem Boden, Xenia schlief noch auf der Couch. Ich richtete mich auf und rieb mir  die Augen. Als ich langsam aufstand, stieß ich versehentlich mit dem Arm an einen kleinen Beistelltisch, was Xenia aufweckte. Sie lächelte mich verschlafen an, richtete sich dann auf und sagte: ,,Ich weiß, es ist noch sehr früh, doch wir sollten gleich nach dem Frühstück aufbrechen.“ Ich nickte und wir gingen gemeinsam in den festlichen Speisesaal, wo Xenia nur mit dem Finger schnippte, und schon stand auf dem Tisch ein Frühstück, wie es Königen serviert wurde. Zwischen edlen Obstsorten standen frische Brote und in Höhlen gereifter Käse. Ich setzte mich an den letzten thronartigen Stuhl und begann hungrig zu essen. Xenia setzte sich an das andere Ende der Tafel und sah mir amüsiert zu. Als ich mich satt gegessen hatte fragte ich sie: ,,Ist irgendetwas? Warum isst du nichts?“ Sie sagte nichts, schüttelte jedoch den Kopf. Um diese peinliche Stille zu unterbrechen, geleitete mich Xenia in einen großen Spiegelsaal, wo sie leise ,,Kurlenia Dorentis“ ausrief und ihre linke Hand zweimal im Kreis drehte. Plötzlich trug ich ein wunderschönes, blutrotes Kleid. Es war mit goldenen Stickereien durchzogen und ganz und gar aus  Samt und Seide. Ich fühlte mich wie eine Kaiserin, doch es blieb nicht lange Zeit, das Kleid zu bewundern, da Xenia mich schon bei der Hand nahm und murmelte: ,,Loriatio Ästario!“ Ehe ich reagieren konnte fing meine Haut an, glühend heiß zu werden. Ich hatte das Gefühl, ich würde schmelzen, wenn nicht bald etwas geschah. Ich wirbelte im Kreis herum, und ich wurde fast ohnmächtig, da stoppte das Spektakel mit einem Mal und ich fiel unsanft auf harten Waldboden. Mir war noch ganz schwindelig, doch Xenia half mir, mich aufzurichten. ,,Was…war das denn?“, fragte ich benommen. Mit einem Lächeln erwiderte Xenia: ,,Ein ziemlich schmerzhafter Weg zu reisen. Wären wir noch in ein anderes Jahr gereist wäre es noch viel Schmerzhafter gewesen.“ Verwirrt  fragte ich: ,,Wir können durch die Zeit reisen?“ Xenia nickte und sprach: ,,Nun, theoretisch schon, doch nicht risikofrei. Wer das tut, riskiert viel. Die Zeit ist heimtückisch, wenn du auch nur die kleinste Kleinigkeit äderst, kann es sein, du wirst niemals geboren, oder schlimmeres.“ Ich nickte, zum Teil verständnisvoll und auch ein Wenig ängstlich. Ohne ein weiteres Wort ging Xenia los, auf den großen Berg  zu, der in der Ferne zu sehen war. Ich folgte ihr gehorsam.

 

Als wir nach einigen Stunden erschöpft auf halber Strecke zum Stehen kamen, entdeckte ich eine nahe gelegene Höhle, gab dies Xenia stumm zu verstehen und gemeinsam schlichen wir uns an. Dort saß er, ein rotes Exemplar eines bulgarischen Zwergdrachen. Seine gelben, durchdringen Blicke streiften uns gelegentlich, doch er nahm uns nicht wahr, war viel zu sehr damit beschäftigt, seine Umgebung mit seinem gesunden Auge zu beobachten, wo doch sein anderes Auge erblindet war. In seiner rechten Schulter steckte eine Pfeilspitze und sein Flügel war vollkommen zerfetzt.  Ich wollte Xenia fragen, was einen Drachen so zugerichtet haben könnte, doch sie gab mir ein stummes Zeichen, dass ich still sein sollte. Ich folgte dem Befehl und wir schlichen uns weiter an. Xenia raunte leise: ,,Ich weiß, dass wird nicht leicht, aber wir müssen an sein Blut, hier geht es um etwas viel größeres, als das Leben eines ohnehin schon verletzten Drachen. Wenn der Fluch sich nicht bald löst, bringe ich damit alle Lebewesen in Gefahr, auch alle Drachen.“ Ich nickte stumm und auf  Xenias Zeichen sprang ich mit klopfendem Herzen in die Höhle zu dem Drachen. Er bemerkte mich nicht, da er mit seinem blinden Auge zu mir stand, bis ich sprach: ,,Höre mich an, oh großer Krieger“, der Drache drehte sich zu mir, doch bevor er mich mit seinen Feuerstößen zu Röstfleisch machen konnte, duckte ich mich so lang, bis ihm  nach acht Stößen die Flammen ausgingen. Zufrieden über meine Kenntnisse  sprach ich weiter: ,,Nun, ich bin Sitaya Neverland und komme von der Oberhexe Xenia persönlich.“  ,,Ha, weshalb ist sie dann nicht hier?“, raunte der Drache mit einer tiefen, rauchigen Stimme. Ich sprach geduldig weiter, während Xenia zu uns kletterte und dem Drachen würdevoll zunickte, der sich tief verbeugte: ,,Sie ist kein Karnia, sie kann euch weder verstehen noch mit euch sprechen, deshalb bin ich hier. Ihr kennt doch sicherlich die Legende der Auserwählten, dass bin ich. Eine weitere Legende handelt von einem Fluch, sie ist euch sicher bekannt, und sie ist wahr. Xenia wird erst von diesem Fluch befreit, wenn ich, die Auserwählte, ihr den Trank der roten Vakura braue, was sehr schwer ist, da er exakt 50 Zutaten beinhaltet, darunter auch das Blut eines bulgarischen Horndrachen, so einer wie ihr es seid, eure Art der Nicartis ist fast ausgestorben, und deshalb muss ein Drache sterben, zum Wohle des Königreiches. Selbstverständlich werdet ihr, vorausgesetzt wir schaffen es, den Trank zu brauen bis die Banshey die Macht an sich reißt, geehrt werden, als mutiger Krieger. Dieses Opfer muss….ja, es muss gebracht werden.“ Der Drache nickte tapfer, spiegelte sich in seinem Auge doch die Angst wieder. Er stapfte etwas tiefer in seine Höhle und zog ein langes Schwert aus dem Berg von Schätzen, die ein jeder Drache lagerte und sagt leise: ,,Ich…bestehe darauf, dass es hiermit geschieht. Dieses Schwert ist ein Erbstück, und ich möchte, dass es nach meinem Tod gut aufbewahrt wird. Nun denn, ich bin jetzt bereit zu sterben.“